Kategorie: Gedanken

was mich bewegt und mir zu schaffen macht
aus dem Alltag
aus der Gesellschaft
aus der Kirche
zwischen den Menschen

ohne dich

ohne dich zu leben
kommt mir unsinnig vor
wie ein Baum ohne Blätter
wie ein Brief ohne Worte
wie lachen ohne Herzlichkeit

ohne dich zu leben
lässt einen Platz neben mir leer
alleine im Kino
alleine beim Kochen
alleine im Haus

ohne dich
ist die Sonne weniger warm
ist der Regen besonders nass
ist die Stille ohrenbetäubend

manchmal unverhofft
ein Lichtstrahl
wie ein gehauchter Satz
‚in allem, was dich umgibt, ist ein Stück von mir‘

©Angelika Kamlage

verwurzelt sein

Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.

Jer 17,7-8

Ich bin fasziniert von Bäumen. Manchmal liege ich unter einem Baum und genieße die Ruhe und Gelassenheit, die er ausstrahlt. Einen Baum wirft so schnell nichts um. Seine Wurzeln geben ihm Halt und Sicherheit bei jedem Wind.

Ich trage gut sichtbar eine Kreuzkette um den Hals. Manchmal werde ich gefragt, ob das echt ist. Kreuze sind en vogue, Christsein eher nicht. In solchen Zeiten! Mit solchen Skandalen!?

Ich sage ja. Das löst oft Erstaunen, dann Zweifel an meinem Geisteszustand und schließlich wieder Erstaunen aus. Dass ich so viel Zuversicht und Begeisterung nicht nur äußerlich, sondern auch in mir trage.

Die nächste Frage ist meist nach dem Warum.

Ja, und dann darf ich erzählen … von Wurzeln und Ruhe und tiefer Liebe und von dem Gefühl, gesegnet zu sein.

Angelika Kamlage/geschrieben für Geistliche Impulse (2019) und noch immer gültig

Rette mich

Rette mich
rufe ich jeden Tag zu DIR

Rette mich
aus meinem Elend

Rette mich
aus dem Homeoffice

Rette mich
aus der Tatenlosigkeit

Rette mich
aus meiner Einsamkeit

Rette mich
aus meiner Sehnsucht
nach dem „Alten“

Rette mich
DU, MEIN Gott,
denn ich bin DEIN und vertraue Dir.
Meine Sehnsucht zerreißt mein Herz.

Heute beginnt die (meine) Fastenzeit in einer Zeit des Fastens.
Schritt für Schritt mit DIR werde ich sie gehen.
Ich werde suchen und mich überraschen lassen, was DU mir zeigen wirst.
Gehen und Werden.
Klagen und Hören.
Bitten und Hoffen.
und dann?

Angelika Kamlage geschrieben für Spurensuche – ein Portal voller guter Worte

Rette mich. Klagen und hören. Ab morgen bis Ostermontag auf www.nur-fuer-heute.com. Einfach anmelden und jeden Tag einen kurzen Gedanken für den Tag erhalten.

und ein weiterer Tipp:

Im Mai bieten ein Kollege und ich gemeinsam eine Auszeit am Meer auf Wangerooge an. Natürlich mit der Kamera in der Hand. Natürlich mit viel Zeit fürs Suchen, Finden und Fotografieren. Mit Zeit für Gespräche, Ruhe und Entspannung. Eine Auszeit für die Seele.
Es gibt noch freie Plätze. Mehr Informationen hier.

Wie geht es Dir wirklich?

Das Bild gesehen und gedacht:
Wann habe ich das letzte Mal jemanden danach fragen können?
Wann wurde ich danach gefragt?
Wo sind die Menschen hin?
Alle in ihren Wohnungen und Häusern?
Alle in Quarantäne?

Da ist jemand, der eine Wand nicht für Eigenwerbung
(Produkt, Aktionen …) nutzt,
sondern für eine einfache Frage
eine Frage, die ich sonst täglich einem anderen Menschen stelle
eine Frage deren Beantwortung mir wichtig ist
eine Frage, die ich auch selbst für mich schätze, wenn sie aufrichtig ist
eine Frage, die zeigt ‚Du bist nicht vergessen‘ ‚Ihr seid nicht vergessen‘

Manchmal sitze ich am Fenster und frage mich,
werden wir uns wieder die Hände schütteln
werden wir wieder einander umarmen
werden wir wieder einander zuhören und erzählen

Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

veröffentlicht wurde dieser Impuls für die espresso.church

„Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) –
dieser Satz ist für mich der Corona-Durchhalte-Satz.
Oft starte ich an einem Punkt und ende doch wieder bei diesem Satz.
Er tröstet.
Er stärkt.
Er überbrückt.
Er schenkt Vertrauen.
Er gibt Luft zum Atem.
Ein Schatz in allen Zeiten – besonders jedoch jetzt.

Selbsterfahrung mit Fotos und das online

Es ist Samstag Mittag. Ich sitze an meinem Schreibtisch. Eigentlich sollte ich andere Dinge erledigen wie kochen, waschen, ein bisschen aufräumen … trotzdem sitze ich verträumt an meinem Schreibtisch, schaue aus dem Fenster über meinen Bildschirm hinweg. Voller Dankbarkeit denke ich an die vergangene Woche. Mit 15 Studenten war ich virtuell mit der Fotografie im Auftrag der Katholische Hochschule Mainz unterwegs.

Es heißt Medienblockwoche und meint vor Ort junge Menschen praktisch konkret mit modernen Medien in Kontakt zu bringen.
‚Praktisch konkret‘ geht immer noch – ‚vor Ort‘ bleibt schwierig – also virtuell.
Wer sich fragt, ob das mit Fotografie wirklich geht?
Wer sich fragt, kann wirklich ein dynamischer Gruppenprozess angestossen werden?
Wer sich fragt, ob so innere Prozesse bei den Teilnehmer:innen angestossen werden können?
Wer sich fragt, ob das wirklich ‚echt“ ist?
… dem kann ich nur zurufen … „JA“

16 Menschen, die sich noch nie kohlenstofflich begegnen waren, sind am Ende eine Gruppe von Menschen geworden, die sich gegenseitig getragen, geholfen, zugehört und virtuell umarmt hat. Ich bin unglaublich berührt, was möglich ist, wenn wir es nur wollen. Danke für diese Erfahrung!…

und die Bilder fragt Ihr? Einmalig klasse. Kunst at its best! ❤️
Sehen, finden, denken, umsetzen, fotografieren kennt keine Grenzen wie ich wieder erfahren durfte.

Deshalb meine Empfehlung:
Die Foto-Herz-Werkstatt, wenn Ihr eine Pause braucht.
Umfang und Zeit alles auf Euch individuell anpassbar.

Ich freue mich auf Eure Anfrage.

LICHT

die tage werden länger
sind es schon
werden es noch mehr
immer ist da LICHT
selbst wenn es dunkel ist
ist da irgendwo LICHT
und jetzt wieder mehr
LICHT ist HOFFNUNG
HOFFNUNG ist das, was ich brauche
jetzt
im DURCHHALTEN
beim DURCHHALTEN
im WEITERGEHEN
schritt für schritt
wir packen das
du packst das
ich packe das
der frühling kommt näher
das LICHT ist auch dieses mal nicht aufzuhalten.

Angelika Kamlage

eine Meditation, die ich für Spurensuche.de geschrieben habe.
Dort findet Ihr noch mehr wertvolle Gedanken, Gebete und Texte.

SEGEN – dein Gott ist mit dir überall

Heute ist der Festtag der „Heiligen Drei Könige“. Traditionell kommen um diesen Feiertag herum die Sternsinger ins Haus und bringen den Segen. Wie so vieles ist auch das in diesem Jahr nicht in der gewohnten Form möglich.

Viele Jahre habe ich die Sternsinger in meiner Gemeinde begleitet. Es hat mich immer sehr berührt, wie wichtig vielen Menschen der Besuch der Sternsinger ist. „ Wissen Sie, eigentlich glauben wir ja nicht an Gott. Wir sind auch schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, doch der Besuch der Sternsinger bleibt uns weiter wichtig. Es ist ein guter Start ins neue Jahr, wenn die Sternsinger kommen und uns den Segen bringen. Damit sind wir gut gerüstet und behütet für alles, was kommen mag.“, sagte eine ältere Dame vor vielen Jahren zu mir, als sie sich für einen Sternsingerbesuch bei mir meldete.

Gut gerüstet ins Ungewisse starten, das macht wahrscheinlich jeder so, wenn er in ein neues Abenteuer aufbricht. Egal, ob es ein neuer Job ist oder ob wir „nur“ in den Urlaub fahren. Wir möchten auf alles vorbereitet sein, damit die Voraussetzungen für das Gelingen die bestmöglichen sind. Was brauche ich, um gut gerüstet ins neue Jahr zu starten? Spannende Frage. Die andere Möglichkeit wäre ja, einfach so loszugehen und dann mal zu schauen, was passiert.

Das Jahr 2020 hat uns jedoch sehr deutlich gezeigt, dass auch die beste Vorbereitung durch das Unplanbare so nebenbei durchkreuzt werden kann. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Veranstaltungen, Kurse und Tagungen abgesagt wurden.
Meinen letzten Impuls habe ich geschlossen mit dem Satz: „So habt Hoffnungen, aber niemals Erwartungen.“ Hoffnung ist das, was uns auch dann noch trägt, wenn wir alles verloren glauben. Heute lege ich den Segen dazu. Der Segen bestärkt mich, weiterzugehen im Vertrauen darauf, dass einer mitgeht, der mir wieder neue Hoffnung schenken wird.

Gott sagt zu Josua: Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.

Josua 1,9

… und er sagt es auch zu mir. Nur neige ich öfter dazu, es zu vergessen.

Deshalb – am Anfang des Jahres bewusst einen Segen für das kommende Jahr, mein Haus, meine Lieben und mich zu empfangen, lässt mich immer wieder Gottes Gegenwart und Liebe bewusst in meinem Alltag wahrnehmen, auch wenn ein Segen keine Gelinggarantie für das Kommende ist. So wünsche ich mir heute für uns den Segen Gottes für das kommende Jahr.

Wir gehen durch Länder von Stadt zu Stadt
und folgen dem Stern mit seinem Schein.
Mit „Christus Mansionem Benedicat“
soll Gottes Segen auch bei Euch sein.
Christus segne dieses Haus und alle, die gehen ein und aus.

Am Ende meinen Dank für die Unterstützung an die Sternsinger, die – trotz Corona – den Segen für diesen Impuls eingesprochen haben. Die Videoaufnahmen haben viel Spaß gemacht mit Euch, auch wenn alles auf Abstand besprochen und gedreht werden musste.

Ihr seid ein Segen!

Erwartungen

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Heute ist der letzte Abend. Am Ende des Jahres tragen wir alle unsere Erinnerungen an die vergangenen Monate mit uns. Gleichzeitig wagen wir einen Blick in die Zukunft. Früher gab es die Tradition des Bleigießens an Silvester – inzwischen verboten wegen der gesundheitlichen Risiken – als Orakel, das den Menschen einen Blick in die Zukunft ermöglichen sollte.
Wie auch immer ein jeder für sich den Blick in die Zukunft wagt, so verbindet uns alle, dass es meist um persönliche Wünsche und Träume für das vor uns liegende Jahr geht.

Den Advent haben wir mit Warten verbracht. Gefüllt habe ich das Warten mit Vorfreude. Jeden Tag notierte ich mir in meinem Kalender, was meine Vorfreude erlebbar macht. Das Fest der Geburt von Gottes Sohn ist vorbei. Die Weihnachtszeit hat begonnen.

Warten und Erwarten

– zwei Worte, die ähnlich und doch so verschieden sind. Warten auf ein Ereignis, das eintritt, doch auch als Haltung in meinem Leben. Warten bedeutet, dass ich meine eigenen Erwartungen zurückhalten kann. „Ich warte“ als Haltung ist offen. Dabei stelle ich mir immer geöffnete Hände vor. Die Hände sind leer – nicht fordernd nach oben gestreckt, sondern in einer entspannten Haltung vor meinem Körper geöffnet.
Erwartungen sind da ganz anders gestrickt. Erwartungen richten sich an mich selbst, an andere Menschen und auch an Gott – umgekehrt gilt das Gleiche. Menschen und auch Gott haben Erwartungen an mich und mein Verhalten.

Welche Erwartungen habe ich also?

an mich? an Dich? an andere Menschen? an Gott? – Am Ende des Jahres ist heute ein guter Moment, sich darüber Gedanken zu machen. Die Erkenntnis, welche Erwartungen ich wirklich habe, kann sehr ernüchternd sein. Wie schnell fliehe ich doch in unpersönliche Formulierungen: „man sollte“ oder „wir müssten“ oder „andere machen“ – und schiebe damit meine eigene Verantwortung weit weg.

Ich erkenne auch, dass ich Geduld brauche mit mir selbst, wenn nicht immer alles so ist, wie ich glaube zu wissen, dass es sein sollte. Mich selber immer wieder erden, meine Haltung mir selbst gegenüber und anderen zu prüfen, gewohnte Gedankengänge kritisch zu überprüfen und alte Antworten mit neuer Perspektive zu betrachten, bleibt im Leben immer eine Herausforderung. Mir bleibt nur zu üben, mich immer wieder neu in Gottes Liebe zu stellen, mich ihm zu überlassen und der Versuchung zu widerstehen, ein Urteil über mich selbst oder andere zu fällen. Nur dann kann es mir gelingen – zumindest an guten Tagen –, aus dieser Liebe heraus zu handeln.

Und wie es mit Gott? Auch Gott gegenüber habe ich Erwartungen. Viele haben klare Vorstellungen darüber, wie Gott sein muss oder wie er sich verhalten wird … muss – auch ich. Die – vielleicht enttäuschende – Erkenntnis: Gott ist so ganz anders – eben göttlich – eben nicht, wie wir ihn uns „backen“ möchten. Gott lässt sich nicht festlegen, er passt in keines der bekannten Schemas und auch nicht in meines, und er entspricht auf keinen Fall meinen Erwartungen. Gott ist Gott. Dabei darf ich trotzdem darauf vertrauen, dass er mich liebt. Denn als kleines Kind kam er in die Welt – nur um uns nahe zu sein.

So stehe ich hier am Ende des Jahres:

Das Herz voller Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen.
Menschen gesucht und gefunden, manche (wieder) verloren.
Corona gesehen, Kontaktarm gelebt, auf Umarmungen und Begegnungen verzichtet.
Und doch – oder gerade deshalb – besondere Momente erleben dürfen.
Dabei neu lernen, was wirklich Bedeutung hat.
Und doch am Ende des Jahres gesegnet und geliebt
dem neuen Jahr entgegen blicken
mit offenen Händen und weit geöffneten Herzen.
Was wird es mir schenken? Was mir nehmen?
Sicher ist, es wird viele glückliche wie traurige Momente geben. Ich werde Menschen begegnen, die mich reicher machen; andere werde ich verlieren und das wird mich ärmer machen. ©ak

So habt Hoffnungen, aber niemals Erwartungen.

Ich will tun, was ich tu. Ich bin ich.
Du willst tun, was du tust. Du bist du.
Die Welt ist unsere Aufgabe. Sie entspricht nicht unseren Erwartungen.
Jedoch, wenn wir uns für sie einsetzen, wird sie schön sein.
Wenn nicht, wird sie nicht sein.

Ruth C. Cohn

Das Volk, das in der Finsternis ging

Das Volk, das in der Finsternis ging

Jes 9,1

Wir gehen durch dunklere Zeiten.

Keine Umarmungen. Keine Feste.
Wir müssen uns beschränken.
Auf uns und auf den Nächsten achten.
Manche fühlen sich einsam, andere verlassen.
Manche fühlen sich eingesperrt, andere unterdrückt.
Manche fühlen sich im Stich gelassen, andere überfordert.
Traurigkeit senkt sich in viele Herzen, in andere Wut.

sah ein helles Licht;

Jes 9,1

Ein kleines Kind reicht mir die Hand.

Es streckt mir seine Arme entgegen.
Erwartungsvoll.
Neugierig.
Lächelnd.
Ein kleines Licht in der Finsternis.
Ein verheißungsvolles Licht voller Wärme und Leben.
Ich lächle.
Ich spüre wie mein Herz sich öffnet
und wie Gewissheit zaghaft aufkeimt, dass alles gut wird.
Vertrauen.

über denen, die im Land der Todesschatten wohnten,

Jes 9,1

Todesschatten sind wie ein plötzlicher kalter Windhauch.

Ich lese die ständig wachsende Zahl der Toten in diesen Zeiten.
Ich sehe, höre, lese wie Menschen es leugnen und sich dem Geschehen verweigern.
Ich sehe die Hilflosigkeit der Regierenden, die bitten und hoffen.
Ich fühle, dass die Konsequenzen uns einengen,
die die leugnen und alle anderen.
Ich fröstele.
Ich bete und flehe DICH an.

strahlte ein Licht auf.

Jes 9,1
Voller Leichtigkeit und Zuversicht will ich mich vom Kind, das Weihnachten geboren wird, führen lassen.

Du streckst mir deine Hände entgegen.

Du füllst mein Herz mit Licht, Wärme und Liebe.
Du lädst mich ein, dich und deine Botschaft
mit meinen Händen zu begreifen,
mit meinen Augen zu sehen,
mit meinen Ohren zu hören,
mit meinem Mund davon zu erzählen,
mit den Füßen überall dorthin zu gehen, wo deine Liebe von Nöten ist.

Voller Leichtigkeit und Zuversicht will ich mich von DIR führen lassen.
So werde ich zum Lichtträger, der die Dunkelheit erhellt.
So werde ich zum Botschafter, der deine Liebe teilt.
So werde ich zu deinem Werkzeug durch Wort und Tat.

Ich bin ganz dein.
Weihnachten kommt.

Angelika Kamlage

Dieser Text ist auch auf Spurensuche erschienen!
Vorbei schauen und sich durch Texte beschenken lassen, lohnt sich immer. 🙂

Schenken – gemeinsam durch den Advent

Heute Abend ist es so weit. Gott kommt in die Welt. Er wird Kind mitten unter uns Menschen – für uns ein Anlass, uns zum Fest zu beschenken. Angefangen mit dem Schenken haben ja eigentlich die Heiligen Drei Könige, die dem Kinde in der Krippe Weihrauch, Myrrhe und Gold mitbrachten.

Seitdem beschäftigt uns jedes Jahr aufs Neue die Frage: „Was nur kann ich schenken?“ Manche von uns werden wochenlang von dieser Frage geplagt. Ich habe mich gefragt, warum soll man eigentlich schenken, wenn es doch nur eine Last für uns ist.

Ich persönlich liebe es, Menschen zu beschenken. Nicht das zwanghafte Hetzen durch Geschäfte, abwägend, was ich für wen kaufen könnte, sondern das Entdecken von Überraschungen für einen geliebten Menschen während des Jahres.
Schenken ist mehr als nur in ein Geschäft zu gehen, etwas Geld auf den Ladentresen zu legen und einen Gegenwert schön verpackt mit nach Hause zu nehmen.

Wie also finde ich das perfekte Geschenk? Was heißt eigentlich perfekt? Oder ist die Variante „Wir schenken uns nix“ die beste?

Schenken ist nicht gleich schenken. Es geht nicht um „höher, schneller, weiter“. Es geht auch nicht um die gegenseitige Aufrechnung: Du schenkt mir etwas, also muss ich dir auch etwas schenken. Es zählt auch nicht, wie teuer es war oder dass es unbedingt etwas feines kleines Selbstgemachtes sein muss. Denn jede noch so gute Idee läuft ins Leere, wenn ich den anderen nicht im Blick habe.

Ich selber schenke am liebsten, wenn es keinen Anlass dafür gibt. Da es aber auch immer Anlässe gibt zu denen ich etwas schenken möchte, gestalte, kaufe, bastle ich auch Geschenke einfach so – auf Vorrat sozusagen <3.

Was für mich „schenken“ bedeutet:

Ich suche ein Geschenk für Dich.
Mitten in meinem Alltag höre ich ein Wort
und es erinnert mich an unser letztes Gespräch.
Mitten im Gehen sehe ich etwas und denke an Dich.
Mitten im Leben weht ein Duft zu mir herüber und ich sehe Dich.

Ich suche ein Geschenk für Dich.
Ich sehe ein Buch und weiß, dass Du den Autor liebst.
Ich habe eine Idee und sehe schon Dein Lachen vor mir.
Ich höre Dir zu und weiß, was Dir Freude macht.

Wir teilen unser Leben und wissen was wir lieben.

Schenken ist immer etwas sehr Persönliches für mich.
Schenken ist immer Teilen.
Schenken zeigt immer ein Stück von mir – von uns – für Dich – mit mir.

Und wenn Du Dich freust, dann füllst Du mein Herz.
Am Ende sind wir dann beide Beschenkte.

Die Variante „Wir schenken uns nix“ ist für mich übrigens keine Alternative an diesem Fest, an dem Gott das Schenken praktisch erfunden hat. Die Heiligen Drei Könige brachten zwar die ersten Geschenke, doch das wirklich erste Geschenk in dieser Geschichte ist Gott selbst.

Heute! Endlich! <3