Kategorie: Impulse

Meditationen, Impulse, Rituale

für den Alltag
für mein Leben

zum Mitnehmen im Herzen

– meist kurz und knackig damit genug Platz für Eigenes ist.

ZU DIR

Wohin soll ich, wenn ich vor den Scherben stehe, die mein Leben sind?
Wohin soll ich, wenn Hoffnungslosigkeit sich breit macht?
Wohin soll ich, wenn Menschen sich abwenden?
Wohin soll ich, wenn ich nicht mehr weiß wohin?

Wohin soll ich, wenn die Fluten der Angst und des Elends über mir zusammenschlagen?

Wohin soll ich, wenn meine Maske bricht und zeigt wie ich bin?
Wohin soll ich, wenn Menschen mich verletzen?
Wohin soll ich, wenn nichts mehr bleibt, was war?
Wohin soll ich, wenn Freundschaft ein Fremdwort wird?

Wohin soll ich, wenn die Fluten des Egoismus und Selbstsucht alles zerstören?

Wohin soll ich, wenn ich mich meiner Fehler wegen schäme?
Wohin soll ich, wenn mein eigener Anspruch mir den Atem raubt?
Wohin soll ich, wenn mein „ich“ für andere nicht zählt?
Wohin soll ich, wenn ich meine Ungeduld mich überholt?

Wohin soll ich, wenn die Fluten meiner Selbstzweifel und Selbstkritik langsam steigen?

Darf ich dann zu Dir?

Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich habe dich stark gemacht, ja ich habe dir geholfen und dich gehalten mit meiner siegreichen Rechten. (Jes 41,10)

Du sprichst,
Dein „Ja“ zu mirJeden Tag neu.
Amen.

Angelika Kamlage
geschrieben für www.spurensuche.de

mutig sein

Ich sehe, wie er mit dem Stein spielt.
Ich höre, die Worte, die er schreit.

„WEG HIER“
„IHR HABT HIER NICHTS VERLOREN“
„WIR WOLLEN DICH NICHT“

Ich erschrecke.
Ich habe Angst.
Was passiert hier?

Ich denke an Jesus.
Wie sehr hat er die Menschen geliebt.
Er hat gerade mit denen zusammen gesessen und gegessen,
die von uns nicht gewollt sind.

Was hätte er gesagt? Was getan? –

Ich trete vor.
Ich sage,
„NEIN – so ist das nicht!“
„Ihr seid willkommen. Du bist willkommen.“
„Ich mache gern Platz für Dich und teile das, was ich habe, mit Dir.“

Ich bin nicht so laut,
aber ich bleibe beharrlich
und gebe nicht auf!

/ak

#weltflüchtlingstag #neinsagen #mutigsein #gemeinsam

geschrieben für espresso.church

Auferstehen

geschrieben für NUR FÜR HEUTE

Einen Weg zu Ende gehen
auch wenn alle Lebenskraft daraus gewichen ist

Den Kummer des Verlusts und Abschieds annehmen
auch wenn es meine Kraft übersteigt

Mich dem Neuem zuwenden
auch wenn es nicht meine Wahl war

Durch den Tod ins Leben gehen
mich überraschen lassen und neu werden

Du machst mein Herz weit
ohne zögern will ich Dir folgen
kein Hasenherz mehr sein
sondern mutig, entschlossen und vertrauensvollDir folgen
der Weg öffnet sich im Gehen

Lehre mich, was Auferstehung heißt.

©Angelika Kamlage

Hoffnung

Für alle, die lieber hören als lesen <3 der Impuls für die Ohren

Inzwischen war es Mittag geworden. Eine Finsternis brach über das ganze Land herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte; die Sonne hatte aufgehört zu scheinen. Dann riss der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Jesus rief laut: »Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist!« Mit diesen Worten starb er. Der Hauptmann, ´der die Aufsicht hatte und` vor dessen Augen das alles geschah, gab Gott die Ehre. »Dieser Mann war wirklich ein Gerechter«, sagte er. Die Menschen, die in Scharen zu dem Schauspiel der Kreuzigung herbeigeströmt waren und das ganze Geschehen miterlebt hatten, schlugen sich an die Brust und kehrten betroffen ´in die Stadt` zurück. Alle die, die mit Jesus bekannt gewesen waren, hatten in einiger Entfernung gestanden, unter ihnen auch die Frauen, die ihm seit den Anfängen in Galiläa gefolgt waren; sie hatten alles mit angesehen (Lk 23 44-49 NGÜ)

Eine Finsternis brach über das ganze Land herein […]
und die Sonne hörte auf zu scheinen.

LK 23,44

Der Sohn Gottes hängt am Kreuz.

Die Welt hängt am Kreuz. Was könnte es Katastrophaleres für die Welt geben? Alles hängt am seidenen Faden. Der Schöpfer der Welt verliert sein Kind.

Die Welt hängt an einem seidenen Faden, dachte ich beim Lesen der Zeilen. Corona brach über uns herein. Lockdown, Beschränkungen, Einsamkeit, Verzweiflung, Sehnsucht hängen über unserem Land. Wie geht es weiter? Wann kehren wir zurück in die Normalität?
„Ich kann nicht mehr“, höre ich immer wieder in Gesprächen. Verzweiflung.

Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.

Lk 23, 46

Jesus lässt los.

Er legt voller Vertrauen seinen Geist in Gottes Hände zurück – in die Hände seines Vaters. Jesus vertraut darauf, dass alles gut wird. Dass sein Vater es richten wird. Und gleichzeitig hat sein Vater jetzt alle Macht über ihn.

Dürfen wir nicht auch Zuversicht haben?
Dürfen wir nicht auch voller Vertrauen auf Gott hoffen?

Wenn die Finsternis in meinem Leben zu groß wird, die Verzweiflung zu siegen scheint, welch ein Geschenk, diese Lebenssituation mit Zuversicht füllen zu können. Nicht aufzugeben. Sondern mich ganz in die Hand des Vaters zu geben.

Jesus stirbt. Der Hauptmann spricht: „Dieser Mann war wirklich ein Gerechter.“

Lk 23, 47

Das Volk hat zugeschaut,

wie dieser Mensch stirbt. Passiv. Schweigend. Betroffen.
Vielleicht haben sich einige gefragt: Was haben wir getan? Wir haben unsere Hoffnung ans Kreuz geschlagen und getötet.

Tod. Tod. Tod.
Ohne Tod keine Auferstehung.
Ohne Auferstehung kein neues Leben.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eigentlich ist sie gar nicht totzukriegen.

Hoffnung ist die Fähigkeit,
auch im dunkelsten Moment den Schimmer des aufkommenden Morgens zu sehen.

Hoffnung.

Lasst uns zusammen still werden

für alle Menschen, deren Hoffnungen klein geworden sind
für alle Menschen, die sich verzweifelt nach Normalität sehen
für Dich und mich

Wir beten gemeinsam zum Vater

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

SEGEN über uns

Du, Vater geh mit uns, auf das uns keine Angst besiegen kann.
Du, Vater geh mit uns, auf das unsere Hoffnung niemals stirbt.
Vater segne unsere kleinen und großen Tode im Leben.
Vater pflege und nähre unsere Hoffnung jede Minute unseres Lebens neu.

So segne uns
+ der Vater
+ durch den Sohn
+ mit dem Heiligen Geist

Amen

Goldesel

Tischlein deck dich.
Lange habe ich nicht mehr an das Märchen gedacht, doch heute als ich im Markusevangelium die Zeilen las, in denen vom Einzug Jesu nach Jerusalem, erzählt wird, musste ich wieder an den Goldesel denken:

goldesel
versprechen und verheißung
alles wird gut
ich schenke dir reichtum und macht
endlich wird alles wieder gut
hoffnung

goldesel
gelobt und gehuldigt
endlich einer, der uns rettet
endlich einer, der alles neu macht
große erwartungen mit klarem ziel
habe ich richtig zugehört

goldesel
beschimpft und verurteilt
wieder einer, der enttäuscht
wieder einer, der es nicht besser verdient
blindheit führt auf irrwege
wie blind bin ich selbst

goldesel
begraben und vergessen
einer von vielen
einer im grab
doch das blatt wird sich wenden
am ende wird es wirklich gut

Angelika Kamlage
Den Text habe ich für spurensuche.de geschrieben. Ein wunderbares Portal für Menschen, die meditative Texte zum Nachdenken suchen.

Schon gesehen?


Foto-Wege auf Pfingsten. Exerzitien im Alltag als Online-Angebot mit deiner Kamera in der Hand.

ohne dich

ohne dich zu leben
kommt mir unsinnig vor
wie ein Baum ohne Blätter
wie ein Brief ohne Worte
wie lachen ohne Herzlichkeit

ohne dich zu leben
lässt einen Platz neben mir leer
alleine im Kino
alleine beim Kochen
alleine im Haus

ohne dich
ist die Sonne weniger warm
ist der Regen besonders nass
ist die Stille ohrenbetäubend

manchmal unverhofft
ein Lichtstrahl
wie ein gehauchter Satz
‚in allem, was dich umgibt, ist ein Stück von mir‘

©Angelika Kamlage

verwurzelt sein

Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.

Jer 17,7-8

Ich bin fasziniert von Bäumen. Manchmal liege ich unter einem Baum und genieße die Ruhe und Gelassenheit, die er ausstrahlt. Einen Baum wirft so schnell nichts um. Seine Wurzeln geben ihm Halt und Sicherheit bei jedem Wind.

Ich trage gut sichtbar eine Kreuzkette um den Hals. Manchmal werde ich gefragt, ob das echt ist. Kreuze sind en vogue, Christsein eher nicht. In solchen Zeiten! Mit solchen Skandalen!?

Ich sage ja. Das löst oft Erstaunen, dann Zweifel an meinem Geisteszustand und schließlich wieder Erstaunen aus. Dass ich so viel Zuversicht und Begeisterung nicht nur äußerlich, sondern auch in mir trage.

Die nächste Frage ist meist nach dem Warum.

Ja, und dann darf ich erzählen … von Wurzeln und Ruhe und tiefer Liebe und von dem Gefühl, gesegnet zu sein.

Angelika Kamlage/geschrieben für Geistliche Impulse (2019) und noch immer gültig

Rette mich

Rette mich
rufe ich jeden Tag zu DIR

Rette mich
aus meinem Elend

Rette mich
aus dem Homeoffice

Rette mich
aus der Tatenlosigkeit

Rette mich
aus meiner Einsamkeit

Rette mich
aus meiner Sehnsucht
nach dem „Alten“

Rette mich
DU, MEIN Gott,
denn ich bin DEIN und vertraue Dir.
Meine Sehnsucht zerreißt mein Herz.

Heute beginnt die (meine) Fastenzeit in einer Zeit des Fastens.
Schritt für Schritt mit DIR werde ich sie gehen.
Ich werde suchen und mich überraschen lassen, was DU mir zeigen wirst.
Gehen und Werden.
Klagen und Hören.
Bitten und Hoffen.
und dann?

Angelika Kamlage geschrieben für Spurensuche – ein Portal voller guter Worte

Rette mich. Klagen und hören. Ab morgen bis Ostermontag auf www.nur-fuer-heute.com. Einfach anmelden und jeden Tag einen kurzen Gedanken für den Tag erhalten.

und ein weiterer Tipp:

Im Mai bieten ein Kollege und ich gemeinsam eine Auszeit am Meer auf Wangerooge an. Natürlich mit der Kamera in der Hand. Natürlich mit viel Zeit fürs Suchen, Finden und Fotografieren. Mit Zeit für Gespräche, Ruhe und Entspannung. Eine Auszeit für die Seele.
Es gibt noch freie Plätze. Mehr Informationen hier.

Wie geht es Dir wirklich?

Das Bild gesehen und gedacht:
Wann habe ich das letzte Mal jemanden danach fragen können?
Wann wurde ich danach gefragt?
Wo sind die Menschen hin?
Alle in ihren Wohnungen und Häusern?
Alle in Quarantäne?

Da ist jemand, der eine Wand nicht für Eigenwerbung
(Produkt, Aktionen …) nutzt,
sondern für eine einfache Frage
eine Frage, die ich sonst täglich einem anderen Menschen stelle
eine Frage deren Beantwortung mir wichtig ist
eine Frage, die ich auch selbst für mich schätze, wenn sie aufrichtig ist
eine Frage, die zeigt ‚Du bist nicht vergessen‘ ‚Ihr seid nicht vergessen‘

Manchmal sitze ich am Fenster und frage mich,
werden wir uns wieder die Hände schütteln
werden wir wieder einander umarmen
werden wir wieder einander zuhören und erzählen

Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

veröffentlicht wurde dieser Impuls für die espresso.church

„Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) –
dieser Satz ist für mich der Corona-Durchhalte-Satz.
Oft starte ich an einem Punkt und ende doch wieder bei diesem Satz.
Er tröstet.
Er stärkt.
Er überbrückt.
Er schenkt Vertrauen.
Er gibt Luft zum Atem.
Ein Schatz in allen Zeiten – besonders jedoch jetzt.